Meine Engländerin

von Ardie bis Zündapp
Benutzeravatar
M53
Beiträge: 668
Registriert: So 17. Jul 2011, 11:07

Meine Engländerin

Beitragvon M53 » Sa 9. Dez 2017, 16:15

Hallo Freunde,

Nach langer Suche konnte ich nun endlich meinen Traum verwirklichen und ein englisches Kraftrad erstehen. Verhandelt wurde immer auf Basis des Pfunds... und gezahlt wurde in Euro. Im Nachgang war das Warten gut für mich, da das Pfund vor Jahren noch wesentlich mehr Wert hatte.

Es handelt sich um eine Sportmaschine von 1935/1936. Sie verfügt über einen Zweischleifenrahmen sowie eine Trapezgabel. Im Rahmen steckt ein 500 ccm Einzylinder mit der Bohrung 86 mm und einem Hub von 86 mm. Klassisch Quadratisch. Die Ventile sind oben (OHC) und die Nockenwelle unten.
Da es sich nicht um einen Blockmotor handelt, ist das Getriebe samt Kupplung eine seperate Einheit, welche mittels Kette mechanisch an den Motor gekoppelt ist. Weiterhin geht eine Kette von der Kurbelwelle zum Zündmagneten (hinter dem Zylinder), sowie eine weitere Kette zur Lichtmaschine (vor dem Zylinder).

Nach der Abholung der Maschine erfolgt nun eine umfassende Bestandsaufnahme. Es ist viel dran zu machen... Mit Schrauben kann man nicht lässig umgehen da alles Zoll und Zoll mit Feingewinde ist. Alles ist nun zu dokumentieren.

Wenn es euch interessiert, werde ich hier stets Bilder des Restaurationsprozesses einstellen und euch mit Infos versorgen. Klar... es ist nichts Ostdeutsches.. und wer das hier nicht sehen will, schaut einfach weg. ;-)

Anbei ein erstes Bild und ein Prospekt:

Gruß, Martin
Dateianhänge
IMG_9744.jpg
img8.jpg
img10.jpg

Benutzeravatar
XL4723
Beiträge: 1233
Registriert: Mo 16. Mai 2011, 09:17

Re: Meine Engländerin

Beitragvon XL4723 » Sa 9. Dez 2017, 23:08

Hallo Martin,
herzlichen Glückwunsch zum Neuerwerb von meiner Seite! Mich würde auf jeden Fall interessieren, wie es mit der Maschine weitergeht, vor allem was du daraus machst.
Seit wieviel Jahren hast du denn schon verhandelt bzw. gesucht? Wo aus England hast du die Maschine denn geholt?
Gruß
Ronald




www.KR51.com

Benutzeravatar
Schollega
Beiträge: 5399
Registriert: Di 8. Feb 2011, 10:38

Re: Meine Engländerin

Beitragvon Schollega » So 10. Dez 2017, 00:42

Sieh toll aus, die Engländerin. Würde auch sehr gerne weiterlesen - dümmer wird man beim überblicken des eigenen Tellerrandes nie. :-) Warum und wie kamst Du denn genau auf diese Maschine?
Grüße!

Benutzeravatar
M53
Beiträge: 668
Registriert: So 17. Jul 2011, 11:07

Re: Meine Engländerin

Beitragvon M53 » So 10. Dez 2017, 11:13

Grundlegend war schon lange der Wunsch nach einem wirklich alten Oldtimer da. Dabei stand im Vordergrund: Trapezgabel, Einzylinder (4T), kein Blockmotor, Doppelport und 500 ccm. Da auch etwas Leistung vorhanden sein soll, kamen nur Fahrzeuge Ende zwanziger bis Ende 30 Jahre in Frage. Blickt man da auf den Deutschen Markt wird viel Zwotakt... oder 200 ccm angeboten. Viertakt mit großen Hubraum ist ehr rar und echt teuer. Zudem gefällt mir beim Motorradbau der Deutschen in dieser Zeit die zunehmende Mächtigkeit nicht. (Ob man hier schon ganz bewusst auf einen Kriegseinsatz vorbereitet hat???).
Weiterhin sollte es etwas Seltenes sein, wo auf Oldtimertreffen auch mal dannach gefragt wird.
Die Engländer treffen da genau meinen Geschmack. Im Vergleichsweise "schmächtigen Rahmen" hämmert ein schöner Einzylinder. Die Großen wie AJS, Matchless, BSA trifft man häufiger an. Meist aber bloß die damaligen Billigmodelle. Für Sportmaschinen legt man auch da mächtige Summen hin.

Deswegen habe ich bewusst nach einer kleinen englischen Marke geschaut und habe das Motorrad in Belgien ausfindig gemacht. Seit Mai war ich in der Preisverhandlung.

Klar, die Ersatzteillage ist schwierig. Deswegen sollte die Maschine möglichst komplett sein... , es war aber auch Liebe auf den ersten Blick.

Martin

Doc Holliday
Beiträge: 1259
Registriert: Mo 20. Dez 2010, 22:46

Re: Meine Engländerin

Beitragvon Doc Holliday » So 10. Dez 2017, 16:24

Hallo Martin,

nen geilen Donnerstock haste Dir da eingefangen...

Nichts hämmert lasst Euch sagen Kinder, besser als der Einzylinder.
Läuft die Maschine oder musst Du die ganz große Instandsetzung am Triebwerk machen. Meist waren nicht nur die Schrauben anders sondern auch die Lagermaße waren auf der Insel recht speziell.
Schrauben ist keine Kunst, es ist eine Lebenseinstellung

Benutzeravatar
M53
Beiträge: 668
Registriert: So 17. Jul 2011, 11:07

Re: Meine Engländerin

Beitragvon M53 » So 10. Dez 2017, 18:59

Danke. Danke.

Das Triebwerk läuft nicht, wäre aber mit wenigen Handgriffen zum Laufen zu bringen. Es ist ein 350er Block mit 500cc Zylinder und 500 cc Kopf. Der 350er Block unterscheidet sich vom 500er durch eine andere Kurbelwelle mit 5 mm weniger Hub.
Einen entsprechenden 500 ccm Block ist aber besorgt, so dass zusammen kommt, was zusammen gehört.
Die Lager sind bereits ausgekundschaftet. Es sind Zöllige, die man immernoch kaufen kann bei FAG und SKF..

Gruß, Martin

Benutzeravatar
rollerguido
Beiträge: 221
Registriert: Sa 8. Sep 2012, 14:28
Wohnort: Niederreissen

Re: Meine Engländerin

Beitragvon rollerguido » So 10. Dez 2017, 20:40

Schönes Teil gefält mir gut.Bei kleinen Engländerinen mus ich immer an einen Essensteilnehmer denken aus meiner zeit beim MHD (1997).Der gute Mann war ca.90 -95 und erzählte mir immer wieder von seiner 350er Rudge ein Sportmodell ,mit dem er und ander Motorradfahrer in Apolda zusammen rennen gefahren sind. Er schwärmte sehr von der Schnelligkeit seiner Maschine.

mfg
Guido
"Blinker sind doof"

Benutzeravatar
M53
Beiträge: 668
Registriert: So 17. Jul 2011, 11:07

Re: Meine Engländerin

Beitragvon M53 » Do 14. Dez 2017, 19:47

Ja. Die englischen Maschinen finde ich einfach nur geil. Rudge, Raleight, Sunbeam, AJS, BSA, Brought, Chater Lea, Matschless, Noton, Triumph ....und und und. Schade das dieser Motorradbau so untergegangen ist... aber in Deutschland ist ja quasi auch nichts über geblieben.. nur noch schöde BWMs... :-D

Ich vermelde erste Teilerfolge. Erstmal habe ich mir kleinteile für den Hobbyraum vorgenommen. Scheinwerfer war blind...so dachte ich. Mit Aceton konnte ich eine gelbe Sicht entfernen und mit Zahnpasta habe ich den Spiegel wieder schön aufpoliert. Der Lichtschalter ist auch wieder gangbar und funktioniert.

Das Amperemeter war total verrostet und nicht funtionstüchtig. Ich habe die Lager und die Welle erneuert, die Eisenflügel entrostet, sowie den Magneten gesäubert. Mit einer Autobatterie und einer 55W Halogenlampe habe ich die Funktion geprüft und ca. 4A ablesen können. Bei Umpolung auch in Gegenrichtung. Weitaus komplizierter war der Tacho. Die gesamte Mechanik war verklebt. Feder ausgehangen und Teile lose.
Es ist rein mechanischer Tacho, der praktisch wie eine Automatikuhr funktioniert. Eine technische Raffinesse! Der Trip-Zähler lässt sich wieder Nullen. Der Zeiger schlägt wieder aus. Mein Akkuschrauber schaft sogar 30 mph :-D

Zu Weihnachten erfolgt die komplette Zerlegung des Krads. Motor wird getauscht. Lackteile werden erneuert. Es sind gefühlt 10 Schichten Lack drauf.

Nun noch ein paar Bilder.

Martin
Dateianhänge
Chronometric-movement,explo.jpg
Dieses Schaubild hat mir sehr geholfen!
IMG_9755.jpg
Amperemeter aus Birmingham. Genau wie das Motorrad
IMG_9756.jpg
Der Tacho von Smiths
IMG_9757.jpg
Schalter von Lucas
IMG_9758.jpg
Die Birne ist von Edisons Firma!

Benutzeravatar
Jauernig
Beiträge: 560
Registriert: Di 5. Jun 2012, 17:44

Re: Meine Engländerin

Beitragvon Jauernig » Mi 27. Dez 2017, 18:57

Hallo und Gratulation!
Sehe ich das auf dem Bild richtig und beim hinteren Rahmenteil fehlt oben die Schraube? Sehr feines Teil. Da fühlt man sich ja mit einer ´48er M21 schon fast schäbig. ;-)
Viel Spaß noch damit!
Fidel
Schmarzwatt- meine neue Lieblingsfarbe!

Wer Satire nicht versteht muss sie auch nicht lustig finden.

Wer sich nicht seiner Vergangenheit erinnert, ist verurteilt, sie zu wiederholen. (George Santayana)

Benutzeravatar
M53
Beiträge: 668
Registriert: So 17. Jul 2011, 11:07

Re: Meine Engländerin

Beitragvon M53 » So 21. Jan 2018, 15:36

Hello,

@ fidel: Dort oben ist ein Loch für eine Beiwagenbefestigung. Das muss so.

Wie ist der Stand der Dinge:

Das Motorrad ist komplett zerlegt und in ganz Deutschland verstreut.

Die Lackteile werden alle gestrahlt und neu lackiert. Es ist leider kein Originallack mehr vorhanden, da schonmal sehr schlampig restauriert wurde. Alle Schrauben und Muttern und Achsen sind blank und bekommen Nickel und manche wenige Chrom.

Die Räder wurden im Ganzen gestrahlt, grundiert und lackiert. Ich hatte meine Liebe Mühe alles zu vereinzeln...

Der Motor stellt bis dato die größte Hürde dar. Die Zoll-lager waren eingeklebt da die Sitze im Eimer sind. Die Ölpumpe war defekt (konnte ich aber wieder reparieren).
Die Kurbelwelle hat 5 mm zu wenig Hub, da sie aus einer 350er Maschine stammt. Eine 500er Welle, welche ich habe, ist ein Totalschaden an dem nur die Schwungscheiben verwendbar sind.
Ergo bin ich zu Herrn Krüger nach Reichenbach.
Er wird das Motorgehäuse bearbeiten, damit DIN- Lager passen. Ebenso wird er die 500er Kurbelwelle mit neuen Stümpfen versehen. Pleuellager werden auch neu gemacht, sowie eine Abdichtung mit Wellendichtring vorgenommen.
Die Nockenwelle wird nachgeschliffen und neu gehärtet, da diese starke Pittingerscheinungen hat. Ebenso werden die Lager der Nockenwelle auf DIN ungebaut.
Der Zylinder wurde auf 87,5 mm geschliffen. Ich habe einen neuen Original Hepolite Kolben Nullmaß ergattert. Nun wird mir der Motoren-Frech auch Limbach-Oberfrohna eine Büchse in den Gusszylinder bauen..
Und so läppert sichs zusammen.
Einzig der Kopf scheint bisher keine "Probleme" zu machen. Den hat offensichtig ein Fachmann überhohlt... aber abwarten.

Die Gewinde der Achsen sind glatt stellenweise. Die Lagersitze in der Nabe voll Loctite... auch hier muss ich neue Achsen fertigen und die Lagersitze nachdrehen. Dabei kommen gleich DIN-Lager zum Einsatz, welche abgedichtet sind.

Das Getriebe braucht eine Kickstarterfeder, sonst is es gut. Kupplung ebenfalls top. Das Kettenrad ist aus ALUMINIUM! Ob man so fahren kann, weiß ich nicht... mein gefühl sagt mir, das es wohl nicht lange halten wird..


Eine Lichtmaschine habe ich bereits organisiert. Zwar defekt aber reparabel. Der Magnet wird demnächt in Angriff genommen.

Mir tut es weh die englischen Lager rauszuwefen... aber es geht leider nicht anderes. Zum Glück trennt ein 2" Lager zu einem 52er DIN lager nicht viel und die Gehäuse geben das her.

Anbei noch ein paar Bilder:

Gruß, Martin
Dateianhänge
IMG_9809.jpg
IMG-20180116-WA0002.jpg

Doc Holliday
Beiträge: 1259
Registriert: Mo 20. Dez 2010, 22:46

Re: Meine Engländerin

Beitragvon Doc Holliday » So 21. Jan 2018, 20:28

Martin,

wie werden die Lagersitze repariert ? Kann ich davon ausgehen das die Lagergasse auf das nächst höhrere DIN Maß ausgespindelt wird ?
Wer ist Herr Krüger aus Reichenbach ? Ist das der Schwiegervater vom Kurz ( Motorenbau Kurz ) in Reichenbach ? Wenn ja warum machen die nicht gleich die Buchse mit ?
Schrauben ist keine Kunst, es ist eine Lebenseinstellung

Benutzeravatar
M53
Beiträge: 668
Registriert: So 17. Jul 2011, 11:07

Re: Meine Engländerin

Beitragvon M53 » Mo 22. Jan 2018, 17:49

Genau. Der Sitz wird aufgespindelt. Jedoch nicht beide Hälften gemeinsam, da die Sitze nicht durchgebohrt sind in vollem Druchmesser. Die Bünde müssen stehen bleiben, da kein Platz für Bohrungssicherungsringe ist..

https://www.kurbelwellen-krueger.de/

Dieser Herr Krüger baut mir die Welle. Da er die Zylinder zum Frech nach Limbach bringt, mutmaße ich mal, das keine Verwandtschaft zu Kurz besteht. Aber interessiert mich auch nicht weiter. Mit Frech habe ich bereits gute Erfahrungen gemacht und bleibe auch dabei.

Gruß, Martin

Benutzeravatar
M53
Beiträge: 668
Registriert: So 17. Jul 2011, 11:07

Re: Meine Engländerin

Beitragvon M53 » So 28. Jan 2018, 22:02

Nachdem es auf der Oldtema in Erfurt mehr oder weniger "nicht" für mich zu holen gab..habe ich mich am Tank versucht, welcher frisch gestrahlt eingetrudelt war. An diesem zeigte sich eine Delle von 5 mm Tiefe!

Mit einer Angelöteten Schlossschraube und einem "negativ"-Hammer konnte ich die Delle vollständig herausziehen. Reste der Knicke sind noch da, und gespachtelt werden muss auch. Aber das Gröbste ist beseitigt!

Gruß, vom Martin
Dateianhänge
IMG_9927.jpg

Benutzeravatar
M53
Beiträge: 668
Registriert: So 17. Jul 2011, 11:07

Re: Meine Engländerin

Beitragvon M53 » So 4. Feb 2018, 16:54

So. Und weiter geht es.
Diese Woche wurden die Achsen in Angriff genommen. Die Lagersitze wurden aufgeschweißt und auf Maß gedreht. Die Achsmutter waren arg zerrammelt und korrodiert.
Die Narben wurden größtenteils abgedreht und gefräßt.

Weiter gehts mit dem Magnet. An dieser Stelle ist es für den einen oder anderen vllt auch interessant mal einen englischen Magenten zu sehen.

Wie alles an der Maschine, war auch der Magnet von innen und außen stark verölt. Man konnte jedoch Funken ziehen.

Im Alugehäuse sitzt oben ein großer Dauermagnet, welcher zwei Links und Rechts sitztende Ferrite magnetisiert.
Im Läufer sitzt die Spule und der Kondensator. Isoliert wird die Spannung dann nach außen auf den Unterbrecherkontakt gegeben. Die Unterbrecherplatte selbt dreht sich mit dem Läufer und hat eine Massekohle auf das Unterbrechergehäuse. In dem steckt noch die Nockenhülse welche über einen Bowdenzug um ein paar Grad zur Verstellung des ZZP gedreht werden kann.

Im Vergleich zur stehenden Spule ist diese Variante mit Drehender Spule doch aufwändiger. Problematisch ist hier das Kodensatorsterben. Tritt dieses ein, muss der Läufer ausgebaut werden. Dieser dann noch getrennt, sowie die Spule herausgelötet werden. Zudem ist der Kondensator eingegossen.

Ich denke darüber nach einen SMD-Keramikkondensator außen auf die Unterbrecherplatte zu setzen. Der Aufwand wäre überschaubar und erspart viel Ärger.

Anbei ein paar Bilder. Martin
Dateianhänge
20180204_091902.jpg
20180204_142945.jpg
20180204_143100.jpg
20180204_143936.jpg
20180204_144248.jpg

Benutzeravatar
M53
Beiträge: 668
Registriert: So 17. Jul 2011, 11:07

Re: Meine Engländerin

Beitragvon M53 » Mo 5. Feb 2018, 19:29

Heute habe ich die Felgen und Naben gestrahlt. Der Dicke mehrfach gepinselte Lack hat die Felgen nicht vorm rosten Schützen können. Die Oberfläche ist ordentlich zerfressen.
Aber dafür sind sie Technisch in Ordnung. Auf die Werkbank gelegt gibt es kaum kippeln. Die Hörner sind nicht gedellt oder Ähnliches. Große Freude hatte ich, als ich den "Trade - DUNLOP - Mark" und Made in England Schriftzug freigelegte. Dieser ist auf beiden Ringen vorhanden. Desweitern ist die Zollgröße und "TT" eingeschlagen.

Das Stellrad vom Lenkungsdämpfer habe ich geputzt. Auch hier wieder: Focus on detail Es Macht einfach Spaß. Auch wenn es alles viel Arbeit ist!

Bei der Aufarbeitung der Felgen werde ich die Schriftzüge so gut wie möglich erhalten, der rest muss glatt werden... das wird ein Spagat.

Gruß, Martin
Dateianhänge
IMG_9948.jpg
IMG_9949.jpg
IMG_9953.jpg

Benutzeravatar
M53
Beiträge: 668
Registriert: So 17. Jul 2011, 11:07

Re: Meine Engländerin

Beitragvon M53 » So 18. Feb 2018, 17:52

Nun will ich mal das Thema weiter füllen....

es geht in kleinen Schritten voran. Alle Blechteile werde ich aller Wahrscheinlichkeit nach Mitte März wieder haben. Dann muss ich erstmal beschauen, was zu Schweißen, dengeln etc.. ist.
Ich nahm mir nun mal die Räder vor. Da brauche ich Speichen, welche ich in der Chemnitzer Umgegend zu besorgen versuchte. Dabei blieb es auch.. keiner der hier ansäßigen Radheinies biegt mir die Speichen, OHNE die Räder einzuspeichen sowie zu zentrieren! Eine Frechtheit ist das..
Meine Hoffnung liegt nun beim Oldtimer Dietel in Schleiz. Der war am Telefon zwar unfreundlich bis desinteressiert aber dennoch habe ich ihm jetzt die Muster geschickt und hoffe auf ein baldiges Angebot.

Ansonsten habe ich eine echte Lucas Altette Hupe der ersten Generation erstehen können. Diese ist meinem Baujahr zugehörig. Hinsichtlich der Anbauteile, war man in England sehr prakmatisch. Die Lichtmaschinen Durchmesser waren genormt (3 Zoll). Gilt auch für Bosch in Deutschland...
Die Motorräder konnte man mit oder ohne Elektik bestellen. Wenn man die Elektik mit bestellt hat, bekam man aufgrund der Normierung verschiedene Komponeten von verschiedenen Herstellern. Das "Loch" fürs Rücklicht war z.B auch genormt...

Die Großen Zulieferer waren Miller und Lucas... beide aus Birmingham... dem Zentrum des englischen Motorradbaus. Von Miller konnte man für die Ivory bereits eine "Coil-Ignition" kaufen. Das entspricht einer modernen Zündung mit externer Zündspule und einem Unterbrecherkästchen nahe der Kurbelwelle. Damit spart man sich den Zündmagnet. Aber man braucht eine Lichtmaschine mit 36W statt der herkömmlichen 28W.

...jedenfalls ist meine Lucas-Hupe nicht funktionstüchtig... nach kompletter Demontage zeigte sich der Fehler schnell. Die Schraube zum "Vorspannen" der Membran war durch eine Schraube ersetzt worden, welchen nur im Gewinde klapperte. Mit einem Provisoriom konnte ich sie Hupen lassen. Es erfolgt nun die Aufarbeitung des Horns.

Weiterhin befasse ich mich mit dem Öldruckmesser. Diese waren bei englischen, als auch bei deutschen Kräder der Zeit nicht gerade Standard. Meine Maschine hatte sowas serienmäßig. Sie erreicht einen maximalen Öldruck von 15 lbs pr sqr'' (oder auch psi)... das ist ca. 1bar. Das wird nur bei Kaltem Öl erreicht. Im betrieb sinds lediglich 6 psi (0,3 bar).
Mein Öldruckmesser ist ein Totalschaden. Das "Messwerk" ist deformiert und verbogen. Die Skale fehlt. Zum Glück ist die Formschöne Nadel noch da! Diese Teile sind rarer als Goldstaub!
Als neues Zählwerk wird ein WIKA Manometer dahinter gebaut (die Teilung/Steigung) passt fast. Bei Maximalausschlag wird der Messer später nur 2 psi daneben liegen.
Für das Zifferblatt habe ich eine Repro anhand von Fotos angefertigt und probeweise auf Papier gedruckt.

Ich will natürlich ein richtiges Ziffernblatt haben und suche jemanden, der Siebdruck, Tampondruck machen kann. Bitte meldet euch, wenn ihr wen kennt.

Gruß, Martin
Dateianhänge
huoe.jpg
die Zerlegte Hupe
oeldr.jpg
Repro des Ziffernblattes

Benutzeravatar
fahrfisch
Beiträge: 653
Registriert: Mo 7. Feb 2011, 21:36
Kontaktdaten:

Re: Meine Engländerin

Beitragvon fahrfisch » Do 8. Mär 2018, 20:34

Hallo Martin,
wenn du schreibst, dass es in kleinen Schritten vorwärts geht, muss ich fast lachen. Für mich marschierst du wie eine Schnellzuglok durch diese sehr komplexe Restaurierung, die auch einiges kosten dürfte...
Respekt für das alles...
Und ein schönes Motorrad obendrein.
Da können wir uns mal zum Böllern treffen, wenn meine Standard läuft. (die rote)

Das Thema Zifferblätter könnte doch ein ganz normaler Tachoinstandsetzer bewerkstelligen. Die müssten doch Verbindungen haben. Aber ich bezweifle, dass die Siebdruck machen.
In Chemnitz gibt es so einen und dann würde ich den Herrn Lutz Seyfarth aus Wehretal-Hoheneiche fragen.

Und immer schön Fotos machen, das motiviert mich!

Liebe Grüße
Hendrik
Et kütt wie et kütt

Benutzeravatar
fahrfisch
Beiträge: 653
Registriert: Mo 7. Feb 2011, 21:36
Kontaktdaten:

Re: Meine Engländerin

Beitragvon fahrfisch » Do 8. Mär 2018, 20:35

...und Dietel wirkt meist desinteressiert. Aber ich glaube das ist nicht so gemeint. :-)
Et kütt wie et kütt

Benutzeravatar
M53
Beiträge: 668
Registriert: So 17. Jul 2011, 11:07

Re: Meine Engländerin

Beitragvon M53 » Sa 10. Mär 2018, 16:13

Ich hatte mir das ehrgeizige Ziel gesetzt, dass Fahrzeug noch dieses Jahr auf die Straße zu bringen. Ob ich den Termin halten kann, wird sich zeigen. Grundlegend ist an dem Krad nicht viel dran. Den Motor werde ich am Ende des Sommes hoffentlich zurück haben. Die Lackarbeiten wird ein Profi machen... Den Kleinkram mache ich selbst.
Vieles Läuft derzeit parallel... die Recherche zu den Richtigen Teilen läuft schon länger.

Aktuell habe ich Miller DM3G Lichmaschine in der Mangel. Ich habe eine Schrottlima gekauft und konnte das Defekte teil durch einen Zufall auf Ebay günstig erstehen. Nun muss ich Kohlen und Gleichrichter und Regler herbeizaubern sowie die Lager der Lichtmaschine überarbeiten.

Über die Kosten, lieber Hendrik , will ich lieber nicht sprechen. Aber ich war mir von vorne herreich bewusst, dass eine größere Menge Geld versenkt werden musst.
Aber ich mache auch keine Abstriche.. alles wird vernünftig gemacht. Das ist die oberste Prämisse. Ganz bewusst habe ich das ganze jetzt in Angriff genommen. Ich möchte möglichst lange Freude an dem Krad haben. Im Anschluss kommt Haus und Kind, wo mir sicher hier und da Zeit und Geld für solch ein Projekt fehlen würde. Weiterhin wird man davon ausgehen müssen, da eine Restauration in 20 Jahren vielleicht garnicht mehr möglich ist oder vielfach teurer wird, da eben Fachleute wie man sie jetzt noch findet in den verdienten Ruhestand gegangen sind.

Gruß, Martin


Zurück zu „Andere Krafträder“



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast